Archäologische Ausgrabungen im antiken Becken des Tagua-Tagua-Sees in Zentralchile haben beeindruckende Details über das Leben der ersten Bewohner des Kontinents ans Licht gebracht. Forscher identifizierten anthropogene Schnittspuren an den Knochen von Gomphotherien, einer ausgestorbenen Rüsseltiergruppe und Verwandten der heutigen Elefanten. Diese auf etwa 13.000 Jahre datierten Funde belegen eindeutig, dass die frühen Amerikaner in dieser Region diese riesigen Säugetiere jagten und zerlegten [1].
Ein Jagdlager am Seeufer
Untersuchungen des Katalanischen Instituts für Paläoökologie des Menschen und soziale Evolution (IPHES-CERCA) ergaben, dass das Seeufer in der Antike ein strategischer Haltepunkt für Jäger- und Sammlergruppen war. Bei den Ausgrabungen wurden nicht nur die Knochen der Megafauna, sondern auch Steinwerkzeuge und Abschläge gefunden, die zum Schlachten dieser Tiere verwendet wurden. Die Forscher gehen davon aus, dass die ersten Menschen in der Region dieses Seeufer regelmäßig besuchten und es als eine Art saisonales Jagd- und Verarbeitungslager nutzten [2].
Die Funde in der Region weisen Ähnlichkeiten mit bedeutenden Siedlungen wie Monte Verde auf, der bekanntesten ältesten archäologischen Stätte Südamerikas, die auf vor 14.500 Jahren datiert wird. Diese neuen Beweise aus Tagua Tagua liefern weiterführende Erkenntnisse darüber, dass sich der Mensch schneller als bisher angenommen in den Süden des Kontinents ausbreitete und die lokalen Ressourcen geschickt nutzte [3].
Interaktion zwischen Megafauna und Mensch
Neben den Gomphotherien-Knochen wurden an der Ausgrabungsstätte auch Überreste von ausgestorbenen Pferde- und Hirscharten gefunden. Brandspuren an einigen dieser Knochen deuten darauf hin, dass die antiken Menschen die Tiere nicht nur jagten, sondern das Fleisch auch durch Kochen oder Braten zubereiteten. Archäologen betonen, dass dieses gut erhaltene Fundensemble eine in Südamerika bisher beispiellose Dokumentation darstellt. Das Forschungsteam plant, in der kommenden Zeit Sedimentproben und Knochenreste detaillierter zu untersuchen, um genau zu klären, wann die Menschen die Region erreichten und wie klimatische Veränderungen diese Jagdpraktiken beeinflussten.
Quellen und weiterführende Literatur
- [1] Rare evidence of gomphothere processing uncovered at 13,000-year-old site in Chile | Archaeology News Online Magazine
- [2] Humans hunted extinct elephant 12,000 years ago, study says | Miami Herald
- [3] 12,500-Year-Old Settlement Discovered in Chile | Sci.News
Bild- & Nachrichtenquelle: Live Science - Archaeology / livescience.com