400 Jahre alter Giftmord-Verdacht im Fall der Medici-Brüder durch DNA widerlegt

Autor:

Alte DNA-Analysen der Gebeine zeigen: Die Medici-Brüder starben nicht durch Gift, sondern an Malaria. Der Fund klärt eine Renaissance-Kontroverse.

400 Jahre alter Giftmord-Verdacht im Fall der Medici-Brüder durch DNA widerlegt
Bildnachweis: Archaeologymag

Francesco de’ Medici und sein Bruder, Kardinal Giovanni de’ Medici, Mitglieder einer der mächtigsten Dynastien Italiens, starben im 16. Jahrhundert nicht an einer Vergiftung, sondern an Malaria. Eine neue Untersuchung von alter DNA in Florenz entkräftet den seit Jahrhunderten kursierenden Mordverdacht und weist erstmals genetisch einen damals in der Region aktiven, tödlichen Malariaparasiten nach. Der Fund trägt dazu bei, eine der großen medizinischen Streitfragen der Renaissancegeschichte zu klären und wirft zugleich neues Licht auf die evolutive Geschichte des Malariaerregers.

Historische Anschuldigungen und genetische Befunde

In der Studie, die in Zusammenarbeit zwischen der Universität Pisa und der Yale University durchgeführt wurde, analysierten Forschende die Knochenreste der beiden Brüder [1]. Über Jahrhunderte hielt sich vor allem der Verdacht, Großherzog Francesco de’ Medici sei von seinem machtbewussten Bruder, Kardinal Ferdinando, mit Arsen vergiftet worden. Die Analyse der aus den Knochen gewonnenen alten DNA ergab jedoch bei beiden Brüdern Spuren des Erregers Plasmodium falciparum, der die besonders gefährliche Form der Malaria auslöst [3]. In Giovannis sterblichen Überresten konnte genetisches Material von rund 1.900 Basenpaaren Länge nachgewiesen werden, während sich in Francescos Knochen geringere Mengen an Malaria-DNA fanden.

Sümpfe und Fehlbehandlungen der Hofärzte

Historische Quellen stützen diese genetischen Ergebnisse unmittelbar. Kardinal Giovanni erkrankte 1562 nach einem Besuch der sumpfigen Küstengebiete der Toskana an hohem Fieber und starb im Alter von nur 19 Jahren. Francesco erlag 25 Jahre später, nach einem Aufenthalt mit seiner Frau Bianca Cappello in Familienvillen nahe mückenreicher Feuchtgebiete, einem ähnlichen Fieber und starb nur einen Tag zeitversetzt zu ihr. Die Hofärzte der Zeit diagnostizierten, entsprechend der italienischen Bezeichnung für Malaria, eine „febbre terzana“ (Wechselfieber im Dreitagesrhythmus). Die damals übliche Aderlass-Behandlung dürfte den Zustand der Patienten jedoch eher verschlechtert haben.

Neuer Einblick in die Evolutionsgeschichte der Malaria

Die Studie liefert zudem einen wichtigen Beitrag zur Medizingeschichte, indem sie die genetische Signatur der im 16. Jahrhundert in der Toskana zirkulierenden Malariastämme rekonstruiert [2]. Mithilfe der alten DNA können Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nachzeichnen, wie sich Malariaparasiten im Laufe der Zeit verändert und in verschiedene Regionen ausgebreitet haben. Frühere Untersuchungen hatten in den Knochen der Brüder bereits Hinweise auf eine Immunantwort gegen Malaria gefunden. Die nun vorliegenden Daten belegen jedoch erstmals direkt und genetisch eindeutig die Präsenz des Parasiten.

Quellen und weiterführende Literatur

Bild & Nachrichtquelle: Archaeologymag / archaeologymag.com