Tierische Überreste aus Höhlen an der libanesischen Küste, die 400.000 Jahre alt sind, haben enthüllt, wie frühe menschliche Arten (Homininen) in mediterranen Wäldern gezielt jagten und sich an raue klimatische Bedingungen anpassten. Neue Forschungen an diesen jahrhundertealten Sammlungen, die im Museum für Vorgeschichte des Libanon in Beirut aufbewahrt werden, belegen, dass die Region als kritischer und stabiler Zufluchtsort für die ersten Menschen diente, die von Afrika nach Eurasien wanderten.
400.000 Jahre alte Geheimnisse aus Museumsmagazinen
Forscher untersuchten Fossilien, die aus drei paläolithischen Fundstätten an der libanesischen Küste geborgen wurden: Ras el-Kelb, Nahr Ibrahim und Naame. Ein Großteil dieser Knochen wurde vor über 130 Jahren von dem Jesuitenakademiker Godefroy Zumoffen gesammelt. Diese Sammlungen, die jahrelang in Museumsmagazinen lagerten und deren chronologische Abfolge nicht vollständig bekannt war, wurden durch moderne Datierungsmethoden analysiert und verwandelten sich in ein riesiges Archiv, das Licht auf die menschliche Geschichte wirft. Die gewonnenen Daten offenbaren eine ununterbrochene Umweltaufzeichnung, die von vor 400.000 bis vor 100.000 Jahren reicht.
Zur richtigen Zeit am richtigen Ort jagen
Die Funde deuten darauf hin, dass frühe Menschen nicht zufällig in der Natur umherstreiften, sondern sehr genau wussten, wo sich Tiere sammelten und zu welcher Jahreszeit sie wo zu finden waren. Schlachtspuren an Wildrinderknochen aus Nahr Ibrahim sowie verbrannte Knochen und Steinwerkzeuge aus Ras el-Kelb belegen, wie spezialisiert Homininen bei der Jagd waren. Mikroskopische Abnutzungsanalysen an Zähnen zeigten, dass gefährliche und große Beutetiere wie Wildrinder und Nashörner zu bestimmten Jahreszeiten systematisch ins Visier genommen wurden.
Es ist bekannt, dass Homininen in verschiedenen Regionen der Welt vor etwa 400.000 Jahren vielfältige Jagdstrategien entwickelten. So wurde beispielsweise in früheren Forschungen dokumentiert, dass in Italien Elefanten gejagt und ihre Knochen zur Werkzeugherstellung genutzt wurden [1], in Deutschland Biber systematisch gejagt wurden [2] und in Südeuropa Kleintiere wie Kaninchen verzehrt wurden [3]. Die neuen Funde im Libanon beleuchten die Dimensionen dieses Jagdrepertoires im Nahen Osten.
Ein grüner Zufluchtsort, der der Klimakrise widerstand
Eines der überraschendsten Ergebnisse der Forschung war die ökologische Stabilität der libanesischen Küste. Trotz heftiger globaler Eis- und Zwischeneiszeiten blieb die libanesische Küstenlinie stets ein reiches Mosaik aus fruchtbaren Wäldern, Buschland und offenen Flächen. Während die südliche Levante zunehmend austrocknete, machte die Erhaltung dieser grünen Struktur an der libanesischen Küste die Region zu einer wahren Oase für Homininen. Mit zuverlässigen Wasserquellen und reichlich Wild bot diese Region einen lebenswichtigen Korridor für viele menschliche Arten, einschließlich der ersten Homo-sapiens-Gruppen, die von Afrika nach Eurasien wanderten.
Quellen und weiterführende Lektüre
- [1] Ancient hominins in Italy butchered elephants 400,000 years ago and turned their bones into tools | Archaeology News Online Magazine
- [2] Hominins Hunted Beavers At Least 400,000 Years Ago, Ancient Bones Reveal | Sci.News
- [3] Stone Age hominins consumed rabbits according to a new study - Archaeology Wiki
Bild & Nachrichtenquelle: Arkeonews / arkeonews.net