Eine neue Studie zu alter DNA, die von Forschenden der Universität Stockholm durchgeführt und in der Fachzeitschrift Science Advances veröffentlicht wurde, stellt gängige Annahmen zu mittelalterlichen Friedhöfen in Skandinavien infrage. Archäologinnen und Archäologen waren bislang davon ausgegangen, dass Erwachsene und Kinder, die im selben Grab nebeneinander oder übereinander bestattet wurden, in direkter familiärer Beziehung zueinander standen. Genetische Analysen zeigen nun jedoch, dass diese Personen häufig keine biologischen Verwandtschaftsbeziehungen hatten und stellen damit etablierte Vorstellungen zur Sozialstruktur des Mittelalters auf den Prüfstand.
Biologische Verwandtschaft nicht zwingend
Das Forschungsteam führte umfassende DNA-Analysen an Skelettresten aus mittelalterlichen Gräbern in Skandinavien durch. Die Ergebnisse belegen, dass die meisten Personen, die sich eine Grabkammer oder eine Grube teilen, nicht in enger biologischer Verwandtschaft wie Mutter, Vater oder Geschwister zueinander standen. Dies deutet darauf hin, dass die gemeinsame Nutzung eines Grabes in der mittelalterlichen skandinavischen Gesellschaft nicht ausschließlich auf Blutsverwandtschaft beruhte, sondern auch auf sozialen Bindungen, Adoption, Zugehörigkeit zu gemeinsamen Berufsgruppen oder anderen Formen sozialer Nähe basiert haben könnte.
Komplexe Sozialstrukturen des Nordens
Genetische Untersuchungen dieser Art, die in ganz Skandinavien durchgeführt werden, sind von großer Bedeutung, um Mobilität und kulturelle Interaktionen in der Region besser zu verstehen. So konnte etwa in einem auf den Beginn des 17. Jahrhunderts datierten Grab in Finnland nachgewiesen werden, dass die Überreste eines Mannes genetisch mit der im Norden lebenden indigenen Bevölkerung der Sami verwandt waren [1]. Dies hatte bereits zuvor gezeigt, wie durchlässig ethnische und soziale Grenzen in der Region gewesen sein dürften. Die aktuellen DNA-Befunde bestätigen in ähnlicher Weise, dass der Familienbegriff und Formen sozialer Solidarität in der mittelalterlichen skandinavischen Welt nicht nur auf biologischen Verbindungen beruhten, sondern wesentlich flexibler und vielschichtiger ausgeprägt waren. Zusätzliche Quellen und weiterführende Literatur zur Vertiefung dieses Kontexts finden sich unter [2] [3].
Quellen und weiterführende Literatur
- [1] Instagram
- [2] Instagram
- [3] "uic.io/vi/luckyday/1965/07/08/" - Results on X | Live Posts & Updates
Bild & Meldungsquelle: Phys.org - Archaeology & Fossils / phys.org