Iskander Tepe in der Provinz Surxondaryo im Südosten Usbekistans, das bislang als gewöhnliche antike Siedlung galt, hat sich als temporäres Militärlager aus der griechisch-baktrischen Zeit erwiesen. Eine neue Studie, veröffentlicht im Journal of Archaeological Science, zeichnet die militärische Mobilität in der Region und die Grenzen des historischen Erbes Alexanders des Großen neu. Die Kombination aus Bodenradar, Magnetometrie und Satellitenbildauswertung verleiht der Untersuchung besondere Bedeutung für das Verständnis des hellenistischen Militärnetzwerks in Zentralasien.
Keramische Vorratsgefäße und ein rätselhafter Wasserkanal
Bei den ersten Ausgrabungen an Iskander Tepe, das 2017 erstmals erfasst wurde, stießen Archäologinnen und Archäologen auf große, im Boden versenkte keramische Vorratsgefäße. Auf dieser Grundlage nahm man zunächst an, es handle sich um eine einfache Siedlung. Die jüngsten geophysikalischen Untersuchungen zeigen jedoch, dass sich die Anlage deutlich von den typischen lokalen Siedlungen mit Lehmziegelbefestigungen unterscheidet. Die erhobenen Daten belegen, dass es sich um ein provisorisches Lager handelte, das von durchziehenden Truppeneinheiten genutzt wurde. Eine vergleichbare Militärlager-Struktur war zuvor bereits bei Boysari Tepe in der Region Sogdiana nachgewiesen worden.
Zu den auffälligsten Ergebnissen der Untersuchung gehört die Klärung der Wasserversorgung des Lagers. Bei den Grabungen wurde ein Kanalsystem identifiziert, das Wasser aus mehreren Kilometern Entfernung heranführte und etwa 1,1 Meter breit sowie 0,4 Meter tief ist. Es wird angenommen, dass die im Lager verteilten großen Keramikgefäße dazu dienten, das aus diesem Kanal zugeleitete Wasser zu speichern.
Herrscherporträts auf Münzen stützen die Datierung
Für die Datierung der Nutzungsphase des Lagers lieferten gefundene Münzen einen wichtigen Hinweis. Archäologinnen und Archäologen entdeckten Prägungen mit den Porträts der griechisch-baktrischen Könige Diodotos II., Euthydemos I. und Demetrios I. Diese Funde legen nahe, dass das Militärlager nicht vor dem 2. Jahrhundert v. Chr. genutzt wurde. Diese Epoche fällt in die Zeit, in der nach den Feldzügen Alexanders des Großen griechische Königreiche in Baktrien und den angrenzenden Regionen herrschten und die politische Landschaft Zentralasiens prägten.
Die Region, die historisch als Brücke zwischen Ost und West fungierte und an einem Knotenpunkt wichtiger Handelsrouten lag, war zugleich ein Zentrum militärischer Aktivitäten. Die neue Entdeckung in Iskander Tepe zeigt erneut, wie stark organisiert die militärischen und kommerziellen Netzwerke entlang der antiken Seidenstraßen-Trassen gewesen sein dürften [2]. Künftige Ausgrabungen sollen klären, wie lange das Lager in Betrieb war und welche Rolle es für die militärischen Strategien in Zentralasien während der hellenistischen Epoche spielte. Für weiterführende Informationen und ergänzende Kontexte siehe [1] [3].
Quellen und weiterführende Literatur
- [1] Istanbul in Depth: Your “Most Pleasant and Lasting Dream” 2026
- [2] Secrets of the Silk Road - Amaco Small Group Tours
- [3] Egypt & Jordan Discovery | Bunnik Tours
Bild & Meldungsquelle: Archaeologymag / archaeologymag.com