In der antiken Stadt Hattuša im Bezirk Boğazkale der Provinz Çorum, die jahrhundertelang als Hauptstadt des Hethiterreiches diente, wurde ein rund 2.300 Jahre altes Gräberfeld aus der frühhellenistischen und galatischen Epoche entdeckt. Die Ausgrabungen, die vom Deutschen Archäologischen Institut (DAI) durchgeführt werden, sind von großer Bedeutung für das Verständnis der nachhethitischen Bestattungssitten und der kulturellen Struktur der antiken Stadt.
Das Team um Grabungsleiter Prof. Dr. Andreas Schachner stieß auf dieses Gräberfeld bei Untersuchungen im Umfeld eines zuvor identifizierten Getreidespeichers am Nordwesthang der antiken Stadt [1]. Unter den drei in diesem Jahr freigelegten Gräbern sticht eines besonders hervor: Seine architektonische Struktur ist nahezu vollständig erhalten, und das darin befindliche Skelett hat die Zeit unversehrt überdauert [2]. Dieses Steinkistengrab, das von einer kreisförmigen Steinmauer mit einem Durchmesser von etwa 7 Metern umgeben ist, gilt als eines der am besten erhaltenen Beispiele für Grabarchitektur in der Region.
Das Rätsel um das Messer auf der Schulter
Ein Messer, das auf Höhe der rechten Schulter des erwachsenen Skeletts im Steinkistengrab gefunden wurde, weckte das Interesse der Archäologen. Ob es sich bei diesem Messer um einen persönlichen Besitz des Verstorbenen oder um eine Grabbeigabe im Rahmen eines Bestattungsrituals handelt, ist noch unklar. Die Forscher erhoffen sich nach der vollständigen Öffnung des Grabes und dem Abschluss der Laboranalysen genauere Erkenntnisse über die Funktion des Messers.
Gräber werfen Licht auf die nachhethitische Epoche
Während bei den Untersuchungen der letzten zwei Jahre in diesem Bereich insgesamt 8 Gräber freigelegt wurden, stieg die Zahl der Gräber aus dieser Epoche zusammen mit den Funden der Vorjahre auf 17 [3]. In den zuvor in der Region geöffneten Gräbern waren verschiedene persönliche Gegenstände wie Münzen und Kosmetikartikel entdeckt worden. Während Experten vermuten, dass es sich bei dem Individuum im neu gefundenen Grab um einen Mann handeln könnte, wurden in den zuvor untersuchten Gräbern überwiegend weibliche Skelette dokumentiert.
Diese Neuentdeckungen in Hattuša, das zum UNESCO-Welterbe gehört, sollen nach Abschluss der Restaurierungsarbeiten für Besucher zugänglich gemacht werden. Die anstehenden Detailuntersuchungen werden der Geschichtsschreibung ein neues Puzzleteil über das soziale Leben, den Glauben und die Alltagsgewohnheiten der Gemeinschaften hinzufügen, die vor rund 2.300 Jahren in dieser Region lebten.
Quellen und weiterführende Literatur
- [1] Hattuşa'da Erken Helenistik ve Galat Döneme 3 Yeni Mezarlar ...
- [2] Hattuşa'da Erken Helenistik Döneme Ait Yeni Mezarlar ...
- [3] Hattuşa'da yaklaşık 2 bin 300 yıllık yeni mezarlar bulundu
Bild- & Nachrichtenquelle: Ensonhaber / ensonhaber.com