Das Geheimnis der etruskischen Gräber: Mit Künstlicher Intelligenz auf der Suche nach antiken Klängen

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Forscher rekonstruieren die Atmosphäre 2500 Jahre alter etruskischer Gräber mittels KI und Akustik-Technologien als komplexe sensorische Erlebnisräume.

Das Geheimnis der etruskischen Gräber: Mit Künstlicher Intelligenz auf der Suche nach antiken Klängen
Bildnachweis: The Conversation - Archaeology

Die geheimnisvolle Gesellschaft der Etrusker, die im Zentrum des heutigen Italiens lebte, bestattete ihre Toten nicht einfach nur in Steinkammern, sondern schuf komplexe Erlebnisräume, die die Sinne der Lebenden erschüttern sollten. Eine neue Studie von Forschern der Universitäten Oxford und Duke hat mithilfe von Künstlicher Intelligenz die Schallreflexionen und visuellen Anordnungen in den antiken Gräbern analysiert und aufgezeigt, dass diese Orte wie ein „sensorisches Theater“ fungierten.

Eine Architektur zur Manipulation der Sinne

Im Zentrum der Untersuchung steht das Grab der blauen Dämonen (Tomba dei Demoni Azzurri) aus dem 5. Jahrhundert v. Chr., das Besucher in eine andere Welt versetzt. Die Dämonenfiguren und Gastmahlszenen an den Wänden erwecken unter dem Licht von Kerzen und Fackeln, wie sie in der Antike verwendet wurden, den Eindruck von Bewegung. Akustische Tests ergaben, dass die Nachhallzeit in der Grabkammer außergewöhnlich lang ist und jedes Geräusch im Inneren eine dramatische Wirkung entfaltet [1]. Dieser Umstand deutet darauf hin, dass die Räumlichkeiten speziell entworfen wurden, um während der Bestattungsrituale eine tiefe spirituelle Wirkung auf die Teilnehmer auszuüben.

Kooperation von KI und Archäoakustik

Archäologen erstellten 3D-Modelle der Gräber, um zu simulieren, wie Schallwellen an den Wänden abprallen und sich ausbreiten. Diese Techniken, die im Rahmen des von der University of Oxford geleiteten Projekts „Sounds of Silence“ eingesetzt wurden, ermöglichen es uns zu verstehen, wie antike Architekten die Macht des Klangs nutzten [3]. Den Forschern zufolge verzerren architektonische Details wie die Verengung der Grabeingänge und Veränderungen des Bodenniveaus die Körperwahrnehmung des Einzelnen und bereiten ihn auf eine spirituelle Transformation vor. Solche Beispiele für sensorisches Engineering belegen, wie fortschrittlich das architektonische Verständnis in der antiken Mittelmeerwelt war [2].

Ein Ort für die Lebenden, nicht nur für die Toten

In Beispielen wie dem Grab des Hahns (Tomba del Gallo) zeigt sich eine architektonische Disziplin, die darauf abzielt, die visuelle Aufmerksamkeit auf bestimmte Punkte zu lenken. Die Forscher gehen davon aus, dass diese Bauwerke für bestimmte Feste und Familienrituale das ganze Jahr über zugänglich gewesen sein könnten. Letztlich werden die etruskischen Gräber nicht mehr nur als bloße Ruhestätten definiert, sondern als technologische und künstlerische Monumente, die die Macht und das Erbe der Familien festigten und bleibende Eindrücke bei den Lebenden hinterließen.

Quellen und weiterführende Literatur

Bild- & Nachrichtenquelle: The Conversation - Archaeology / theconversation.com