Tiefgehende archäologische Analyse
Bei den Ausgrabungsarbeiten im Bühnenhaus des Westtheaters der antiken Stadt Laodikeia wurde eine etwa 2 Meter hohe Athena-Statue aus weißem Marmor freigelegt. Die Statue wurde kopfüber in einer Schuttverfüllung aufgefunden, der Kopfteil ist bislang nicht identifiziert worden. Kultur- und Tourismusminister Mehmet Nuri Ersoy betonte, dass der Fund mit der kulturellen Narration Laodikeias verknüpft ist und die Funktion dieses Ortes als Spielstätte für die homerischen Epen erneut bestätigt. Die Statue weist Merkmale des klassischen Stils der augusteischen Epoche auf. Bei der auf einer runden Basis stehend dargestellten Figur sind der ärmellose Peplos, die Hylamis (ein Umhang) um den Hals sowie die Aigis mit Medusenkopf und Schlangenmotiv auf der Brust hervorzuheben. Die natürliche Ausarbeitung der Faltenwürfe und die Sorgfalt bei den Stoffdetails verweisen auf eine hohe künstlerische Qualität. Dass die Rückseite der Statue aufgrund ihrer Platzierung zwischen Säulen grob belassen wurde, spiegelt eine für die architektonische Integration typische Praxis wider. Die Ausgrabungen in Laodikeia werden in Kooperation zwischen der Pamukkale-Universität und dem Ministerium für Kultur und Tourismus fortgeführt. Die architektonische Gliederung des Westtheaters ist dreigeschossig, wobei jede Etage 16 Säulen aufweist. Frühere Funde, die auf die Inszenierung von Szenen aus den homerischen Epen im Theater hindeuten, belegen, dass dieser Ort nicht nur der Unterhaltung, sondern auch als Medium des kulturellen Transfers diente. Auch in den Grabungssaisons 2024-2025 wurden zahlreiche mit dieser Narration verbundene Statuen freigelegt [1]. Die Präsenz von Athena-Statuen in Laodikeia ist keine Neuheit. Zuvor war bereits eine weitere, in die Zeit des Septimius Severus datierte Athena-Statue aus dem Nymphaeum der Stadt geborgen worden [2]. Der aktuelle Fund ist jedoch aufgrund seiner Lokalisierung auf einer in die augusteische Epoche datierten Theaterbühne und der seltenen Typologie mit Umhang bemerkenswert.
Kritische Funde
- Im Bühnenhaus des Westtheaters der antiken Stadt Laodikeia (Denizli) wurde eine etwa 2 Meter hohe Athena-Statue aus weißem Marmor entdeckt.
- Der Kopfteil der Statue ist bislang nicht identifiziert worden, sie wurde kopfüber in einer Schuttverfüllung aufgefunden.
- Die Figur entspricht dem klassischen Stil der augusteischen Epoche und wird aufgrund ihrer Typologie mit Umhang als seltenes Exemplar eingestuft.
Historischer Kontext
Laodikeia war während der Römischen Kaiserzeit ein bedeutendes kulturelles und wirtschaftliches Zentrum. Die Theater der Stadt dienten nicht nur der Unterhaltung, sondern fungierten auch als Aufführungsorte für mythologische und epische Erzählungen. Im Westtheater waren bereits zuvor Skulpturengruppen entdeckt worden, die Szenen aus der Irrfahrt des Odysseus nach İthaka darstellen. Die Präsenz von Athena-Figuren in der Stadt ist ebenfalls keine Neuheit, eine weitere in die Zeit des Septimius Severus datierte Athena-Statue wurde bereits aus dem Nymphaeum der Stadt ausgegraben [2].
Ähnliche Entdeckungen
- Aphrodite- und Dionysos-Skulpturenköpfe in Aizanoi: In der antiken Stadt Aizanoi in Kütahya wurden im Jahr 2024 ein zweiter Skulpturenkopf der Liebesgöttin Aphrodite sowie ein dritter Kopf des Weingottes Dionysos freigelegt. Diese Funde belegen, ähnlich wie in Laodikeia, die starke Präsenz von Kultfiguren in Theatern und Heiligtümern der römischen Epoche [3].
Anmerkung des Archäologen
Dieser Fund liefert einen neuen Beleg für das kulturelle Leben Laodikeias in der römischen Epoche. Die Verknüpfung einer auf der Theaterbühne gefundenen Athena-Statue mit den homerischen Epen untermauert die These, dass antike Theater nicht nur reine Aufführungsstätten, sondern auch Orte der mythologischen Bildung und der Vermittlung des kollektiven Gedächtnisses waren. Die umhangtragende Typologie der Statue und ihr augusteischer Stil sind von Bedeutung, da sie veranschaulichen, wie die hellenistische Tradition mit der römischen Kunst in der frühen Kaiserzeit verschmolzen wurde. Da der Kopfteil jedoch noch nicht aufgefunden wurde und die Datierung ausschließlich auf stilistischen Analysen beruht, besteht das Risiko, dass die Interpretationen teilweise vorläufig bleiben.
Quellen
- [1] [PDF] 32. Grabungsergebnis-Symposium, Band 2
- [2] (PDF) Şimşek, C. (Hrsg.), Sezgin, M.A., „Athena-Statue aus dem Septimius-Severus-Nymphaeum von Laodikeia“, Cumhuriyetimizin 100. Yılı Anısına Pamukkale Üniversitesi Arkeoloji Bölümü Yazıları, Laodikeia Çalışmaları Ek Yayın Dizisi/Supplementary Series 2, İstanbul, 2023, 41-62.
- [3] [PDF] Griechische Inseln öffnen diesen Sommer visafrei ihre Türen ...