Archäologische Tiefenanalyse
Im Rahmen archäologischer Untersuchungen in Vietnam zeigten Analysen menschlicher Überreste aus der Eisenzeit (ca. 1 v. Chr. – 200 n. Chr.), dass Individuen eisenhaltige Substanzen verwendeten, um ihre Zähne zu schwärzen. Diese Praxis hatte weitreichendere Bedeutungen als bloße ästhetische Präferenz und symbolisierte soziale Reife, Gruppenzugehörigkeit sowie kulturelle Identität. Chemische Untersuchungen bestätigten, dass Eisensubstanzen in den Zahnschmelz eingedrungen waren und im Laufe der Zeit ein dauerhaftes Pigment gebildet hatten. Solche Formen der Körpermodifikation stellen aus archäologisch-anthropologischer Perspektive wichtige Indikatoren für damalige soziale Normen sowie für Strategien der individuellen und kollektiven Identitätsbildung dar.
Kernbefunde
- Der Hauptbestandteil bei der Zähneschwärzung wurde als Eisen identifiziert.
- Diese Praxis war in der Eisenzeit Vietnams vor etwa 2.000 Jahren weit verbreitet.
- Der Vorgang diente nicht nur ästhetischen Zwecken, sondern war auch Symbol für soziale Identität und Reife.
Historischer Kontext
Traditionen der Zahnmodifikation in Vietnam und Südostasien lassen sich bis in die Jungsteinzeit zurückverfolgen. Insbesondere Praktiken wie Zahnextraktion (tooth ablation) und Zahnfärbung wurden sowohl mit regionaler Identität als auch mit Lebenszyklusritualen in Verbindung gebracht [1], [2]. Chemische Analysen am Fundort Dong Xa ergaben, dass die Zähneschwärzung auf Eisen- und Schwefelverbindungen beruhte [3], [4]. Zudem ist bekannt, dass die Gewohnheit des Betelkauens in dieser Region mindestens 4.000 Jahre zurückreicht; diese Praxis könnte ebenfalls zu Zahnverfärbungen beigetragen haben [5], [6].
Vergleichbare Entdeckungen
- Zähneschwärzung bei der Rauto-Gemeinschaft: Bei der Rauto-Gemeinschaft in Papua-Neuguinea galten weiße Zähne als Zeichen von Aggressivität und Unerfahrenheit, während schwarze Zähne Reife und sozialen Status repräsentierten [7].
- Betelgebrauch in Thailand vor 4.000 Jahren: Ausgrabungen in Nong Ratchawat, Thailand, enthüllten Rückstände von Betelnüssen in Zahnbelägen, die etwa 4.000 Jahre alt sind – ein frühes Beispiel für eine Praxis, die Zahnverfärbungen verursachen konnte [6].
Anmerkung der Archäologin / des Archäologen
Die Funde aus Dong Xa belegen anhand archäologischer Daten nicht nur eine ästhetische Gewohnheit, sondern offenbaren zudem Strategien der Identitätskonstruktion über den Körper in eisenzeitlichen Gesellschaften. Die eisenbasierte Zähneschwärzung darf nicht mit dem Kauen von Betel verwechselt werden, da es sich hierbei um einen aktiven chemischen Prozess handelt, der technisches Wissen erfordert. Die Befunde deuten darauf hin, dass diese Praxis möglicherweise genutzt wurde, um Übergangsrituale – etwa den Eintritt ins Erwachsenenalter – visuell zu markieren. Dies vertieft unser Verständnis dafür, wie körperliche Praktiken in der südostasiatischen Archäologie eng mit soziokulturellem Wandel verknüpft waren.
Quellen
- [1] (PDF) Bodies in transition: Tooth ablation from Neolithic to Iron Age ...
- [2] Tooth ablation from Neolithic to Iron Age in Vietnam and Southeast ...
- [3] A kingdom with blackened teeth 2000 years ago: tracing the practice ...
- [4] 2,000-year-old Vietnamese tooth blackening practice found in Iron ...
- [5] Betel Nut Chewing in Iron Age Vietnam? Detection of Areca catechu ...
- [6] 4,000-year-old teeth reveal the earliest human high — Hidden in ...
- [7] (PDF) 'We blacken our teeth with oko to make them firm'