Geheimnisvolle hethitische Rituale in 3.400 Jahre altem Bauwerk in Šapinuva entdeckt

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Bei Ausgrabungen in der antiken hethitischen Stadt Šapinuva in Çorum wurden ungewöhnliche Tierknochen entdeckt, die vermutlich rituellen Opferungen dienten.

Geheimnisvolle hethitische Rituale in 3.400 Jahre altem Bauwerk in Šapinuva entdeckt
Bildnachweis: Arkeonews

Bei Ausgrabungen in der antiken hethitischen Stadt Šapinuva im Bezirk Ortaköy von Çorum wurden in einem 3.400 Jahre alten monumentalen Bauwerk ungewöhnliche Tierknochen entdeckt, die vermutlich rituellen Zwecken dienten [1]. Diese Entdeckung ist von großer Bedeutung, da sie konkret zeigt, wie die Hethiter Architektur und religiöse Überzeugungen verbanden und wie die in schriftlichen Texten erwähnten Opferrituale in der Praxis umgesetzt wurden. Solche Funde, die die reiche archäologische Vergangenheit Anatoliens und die Spuren verschiedener Zivilisationen offenbaren, festigen die historische Bedeutung der Region Tag für Tag [2].

Das von Dr. Önder İpek von der Universität Hethitologie geleitete Ausgrabungsteam machte in zwei symmetrisch angelegten L-förmigen Räumen des Bauwerks bemerkenswerte Funde. Bei den Arbeiten im Jahr 2025 wurde auf einem steinernen Boden das Skelett eines kopflosen jungen Tieres (wahrscheinlich ein Lamm oder Zicklein) gefunden. In der darauffolgenden Grabungssaison wurde auf einem ähnlichen Steinboden im anderen Raum ein Rierschädel freigelegt. Die Forscher betonen, dass es sich bei diesen Knochen nicht um gewöhnliche Küchenabfälle handelt, sondern um bewusst und zeremoniell platzierte Überreste.

Spuren von Bau- und Erneuerungsritualen

Hethitische Keilschrifttafeln beschreiben detailliert, dass Opferzeremonien nicht nur in Tempeln oder bei Festen, sondern auch während des Baus, der Erneuerung oder der Reinigung von Gebäuden abgehalten wurden. Die Tatsache, dass das monumentale Bauwerk in Šapinuva verschiedene Phasen durchlaufen hat, stärkt die Wahrscheinlichkeit, dass diese Tierknochen als Opfergaben an die Götter während der Bau- oder Renovierungsphasen des Gebäudes dienten. Gemäß einem bekannten Gründungsritual wurde ein Schaf geopfert und unter verschiedenen Gebeten Opfergaben dargebracht, um das Haus vor schädlichen Mächten zu schützen.

Zweites großes hethitisches Archiv und reiche Funde

Šapinuva war weit mehr als nur eine gewöhnliche Provinzstadt des Hethiterreichs; es war ein königliches Zentrum, das während der Herrschaft von König Tudḫaliya II. zeitweise als Hauptstadt des Staates diente. Bis heute wurden in der Region über 4.000 Keilschrifttafeln in hethitischer, hurritischer und akkadischer Sprache gefunden. Neben diesem reichen Archiv zeigen Funde wie der kürzlich ausgestellte, 3.500 Jahre alte seltene hethitische Leinenstoff, der zuvor in der Stadt entdeckt wurde, wie hochentwickelt Šapinuva als Industrie- und Kulturzentrum war [3].

L-förmige Räume werden das Rätsel lösen

Die Frage, ob es sich bei dem Bauwerk um einen Tempel, einen administrativen Palast oder ein anderes öffentlich zugängliches monumentales Gebäude handelt, ist noch nicht beantwortet. Ein interdisziplinäres Team aus Archäologen, Zoologen und Philologen versucht, dieses Rätsel durch die Untersuchung der Tierknochen in den L-förmigen Räumen zu lösen. Nach Abschluss der Forschungen wird die physische Entsprechung der vor Tausenden von Jahren in Tafeln eingravierten hethitischen Gebete und Rituale vollständig beleuchtet sein.

Quellen und weiterführende Lektüre