Großes mittelalterliches Gräberfeld bei Kanalbauarbeiten in Frankreich entdeckt

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Bei Ausgrabungen für den Seine-Nord-Europa-Kanal in Beaurains-lès-Noyon wurde ein mittelalterlicher Friedhof mit über 500 Skeletten aus dem 11. bis 14. Jahrhundert freigelegt.

Großes mittelalterliches Gräberfeld bei Kanalbauarbeiten in Frankreich entdeckt
Bildnachweis: Ca

Das Projekt des Seine-Nord-Europa-Kanals in Frankreich hat sich von einer modernen Ingenieursleistung zu einer bedeutenden historischen Entdeckung entwickelt. Bei Ausgrabungen an der archäologischen Fundstätte Beaurains-lès-Noyon stießen Archäologen auf einen unerwarteten Befund: Ein riesiges mittelalterliches Gräberfeld, das sich über eine Fläche von rund 2.800 Quadratmetern erstreckt und mindestens 546 Skelette umfasst [1].

Geheimnisvolle Funddichte im ländlichen Raum

Experten des privaten Archäologieunternehmens Eveha berichten, dass die Ausgrabungen erst teilweise abgeschlossen sind und die Zahl der Toten noch steigen könnte. Die Archäologin Elodie Wermuth betont, dass eine derart hohe Anzahl an Gräbern in einer so ruhigen, ländlichen Region überraschend sei. Die Bestattungen konzentrieren sich um ein kleines, heute abgetragenes Gebäude, das vermutlich zwischen dem 11. und 14. Jahrhundert genutzt wurde.

Ähnliche Projekte in ganz Europa verknüpfen weiterhin die Spuren der Vergangenheit mit moderner Infrastruktur. In Deutschland beispielsweise wurden bei Windenergieprojekten mittelalterliche Tunnel entdeckt, die durch 6.000 Jahre alte prähistorische Gräber führen, was die vielschichtige historische Struktur des Kontinents verdeutlicht [2]. Die Funde in Beaurains-lès-Noyon belegen in ähnlicher Weise die Bedeutung moderner Bauvorhaben für den Schutz und das Verständnis des kulturellen Erbes [3].

Leprakolonie oder dörflicher Friedhof?

Hinsichtlich des Ursprungs des Gräberfeldes werden zwei Haupttheorien diskutiert. Erste Untersuchungen stellten an einigen Skeletten pathologische Läsionen fest, was die Möglichkeit aufwarf, dass es sich um eine Leprakolonie (Leprosorium) handeln könnte. Das Fehlen eines Krankenhausgebäudes vor Ort schwächt diese Theorie jedoch bislang ab. Andererseits deutet das gemeinsame Vorkommen von Männern, Frauen und Kindern darauf hin, dass es sich um einen regulären Kirchhof der Siedlung Bas-Beaurains handeln könnte.

Die Forscher beabsichtigen, dieses Rätsel durch biologische Untersuchungen der Knochen und Radiokarbondatierungen zu lösen. Während die Ausgrabungen parallel zum Bauzeitplan fortgesetzt werden, wird erwartet, dass die gewonnenen Daten neue Einblicke in den Lebens- und Sterbezyklus im mittelalterlichen Europa eröffnen.

Quellen und weiterführende Literatur

Bild- & Nachrichtenquelle: Ca / ca.news.yahoo.com