In Alaska entdecktes 'Mammut'-Fossil ist tatsächlich ein Walfossil

Autor:

Neue Analysen zeigen, dass sogenannte Mammut-Fossilien aus Alaska tatsächlich von Walfischen stammen. Dies verdeutlicht die Herausforderungen bei der archäologischen Identifizierung.

In Alaska entdecktes 'Mammut'-Fossil ist tatsächlich ein Walfossil
Bildnachweis: Wikipedia

Archäologische Tiefenanalyse

Beispiele aus Alaska, die jahrzehntelang als Fossilien des Wolfschafsmammut (Mammuthus primigenius) galten, haben in einer neuen Studie, die im Februar 2026 in der Zeitschrift Journal of Quaternary Science veröffentlicht wurde, eine grundlegende Identitätsänderung erfahren. Ein internationales Forschungsteam führte Radiokarbon-Datierungen sowie Strontium (Sr) und Sauerstoff (O) Isotopenanalysen an diesen Proben durch und stellte fest, dass es sich tatsächlich um Knochen einer Walfischart handelt. Solche Identitätsverwechslungen sind zwar besonders in postglazialen Fossilienregistern selten, doch diese Studie zeigt, wie irreführend Datierungen sein können, wenn sie ohne Prüfung der Herkunft erfolgen. Die Forscher betonen, dass Faktoren wie die Verwitterung der Knochenmorphologie im Laufe der Zeit oder Deformationen während der Fossilisation zu falschen Zuordnungen zwischen großen Säugetieren wie Mammuten und marinen Wirbeltieren wie Walfischen führen können.

Kritische Ergebnisse

  • Einige aus Alaska stammende „Mammut“-Fossilien wurden durch Radiokarbon- und Isotopenanalysen als Knochen von Walfischen bestätigt.
  • Strontium- und Sauerstoff-Isotopenkarten für Alaska wurden mithilfe von Hunderten von Zähnen kleiner Nagetiere aus den Sammlungen der University of Alaska erstellt.
  • Isotopenanalysen haben sich als entscheidendes Werkzeug zur Bestimmung der geografischen Herkunft von Fossilien erwiesen.

Historischer Kontext und Verbindungen zur Vergangenheit

Solche Identitätsverwechslungen stellen eine besondere Herausforderung dar, insbesondere in Übergangsregionen wie Beringia während des postglazialen Zeitalters (seit etwa 15.000 Jahren nach dem Ende der letzten Eiszeit). Früher wurden bereits einige Knochenwerkzeuge oder Fossilreste aufgrund morphologischer Ähnlichkeiten falsch klassifiziert. Doch diese Studie zeigt nicht nur die Unzulänglichkeit von rein visuellen Zuordnungen, sondern auch die Notwendigkeit einer integrierten Anwendung mehrerer chemischer Methoden. Insbesondere die Diskussionen über den Zeitpunkt des vollständigen Aussterbens der Mammutpopulationen in Nordamerika basieren auf zuverlässigen Datierungsbelegen. In diesem Zusammenhang könnten falsch klassifizierte Proben die Radiokarbondaten so beeinflussen, dass das Aussterbedatum irrtümlich näher an die Gegenwart rückt. Daher hebt diese Studie an der University of Alaska nicht nur die Korrektur einer einzelnen Fossilidentität hervor, sondern auch die dringende Notwendigkeit, die paläontologischen Datenbestände aus Beringia sorgfältig zu überprüfen.

Expertenmeinung

Diese Entdeckung unterstreicht erneut die entscheidende Bedeutung multidisziplinärer Ansätze bei der Bestimmung der Identität archäologischer und paläontologischer Materialien. Insbesondere im postglazialen Zeitalter können Knochen von Meeres- und Landwirbeltieren ähnliche Verwitterungs- und Mineralisierungsprozesse durchlaufen, was klassifizierende Methoden, die ausschließlich auf Morphologie basieren, riskant macht. Die kombinierte Anwendung von Isotopen-Geochemie und Radiokarbon-Datierung minimiert solche Fehler und ermöglicht die Erstellung zuverlässigerer chronologischer Modelle. Zudem zeigt diese Studie, dass Museumsbestände nicht nur zur Ausstellung, sondern auch als strategische Quelle für regionale Referenzdatensätze zur Geochemie genutzt werden können. Zukünftig könnte die Anwendung ähnlicher Ansätze weltweit in verschiedenen postglazialen Regionen die Diskussionen um das Aussterben der Megafauna klären.


📚 Quelle:

Adopted “mammoths” from Alaska turn out to be a whale's tale

Autoren: Matthew J. Wooller, Pat Drukenmiller, Gonzalo Oteo‐García, Francesca Di Paolo, Love Dalén, Nick Baker, Nancy Bigelow, Stormy Fields, Sambit Ghosh, Kathryn E. Krasinski, Ben Lamm, Alistair J. Monteath, Ben A. Potter, Jeff Rasic, Josh Reuther, Audrey Rowe, Beth Shapiro, John Southon, Brian T. Wygal

Zeitschrift: Journal of Quaternary Science

DOI: 10.1002/jqs.70040