Archäologische Tiefenanalyse
2015 wurde in einer Grabhügelanlage im östlichen Teil von East Yorkshire im Norden Englands eine Bestattung freigelegt, in deren Zentrum die Skelettreste von drei Kindern sowie ein zylindrisches Objekt aus geschnitztem Kreide gefunden wurden. Die Bestattung weist darauf hin, dass die drei Kinder gemeinsam beigesetzt wurden und neben ihnen eine geschnitzte Kreidetrommel aus der Zeit zwischen 3005 und 2890 v. Chr. lag.12 Das zylindrische Kreidewerkstück, das die Forscher als Burton Agnes-Trommel bezeichneten, datiert auf etwa 5000 Jahre zurück und entspricht damit der Bauphase von Stonehenge. Das British Museum stuft die geschnitzte Kreidemasse mit Spiral- und geometrischen Motiven als eines der bedeutendsten prähistorischen Kunstwerke Großbritanniens des letzten Jahrhunderts ein. Neben der Trommel wurden im selben Grab auch eine Kreidemasse und eine Knochen-Nadel gefunden.23 Der Grabkontext stellt einen zentralen Aspekt bei der Interpretation der Funde dar. Es wird berichtet, dass die Kinder in engem räumlichen Kontakt beigesetzt wurden und die Trommel auf Höhe des Kopfes des ältesten Kindes platziert war. Obwohl einige Archäologen vermuten, dass die Trommel und die begleitenden kleinen Objekte als Schutzamulette fungierten, besteht bislang keine einheitliche Meinung über ihre Funktion. Es liegen keine konkreten Beweise dafür vor, dass das Objekt tatsächlich als Musikinstrument verwendet wurde, weshalb der Begriff „Trommel“ vor allem auf seiner Form basiert.45 Der Fund wird in Verbindung mit anderen geschnitzten Kreidzylindern aus Großbritannien, insbesondere mit den drei berühmten Folkton-Trommeln, die 19. Jahrhundert in einem Kindergrab in North Yorkshire entdeckt wurden, betrachtet. Der Vergleich zwischen der Burton Agnes-Trommel und den Folkton-Trommeln eröffnet neue Diskussionen über die Rolle solcher Objekte in Kindergräbern sowie über die stilistischen Merkmale des späten Neolithikums und der Stonehenge-Ära. Die Forscher vermuten, dass solche Artefakte Hinweise auf Status, Identität oder Gemeinschaftsrituale geben könnten, betonen jedoch, dass die Bedeutung dieser Objekte bislang noch nicht endgültig entschlüsselt werden konnte.26
Kritische Funde
- In einem Grabhügel im östlichen East Yorkshire wurden die Skelettreste von drei Kindern gemeinsam in einem Grab gefunden.
- Im Grab lagen neben den Kindern ein zylindrisches Objekt aus geschnitztem Kreide, eine Kreidemasse und eine Knochen-Nadel.
- Die Kreidetrommel datiert aufgrund von Datierungsuntersuchungen auf etwa 3005–2890 v. Chr. und entspricht damit der Bauphase von Stonehenge.
- Das British Museum bezeichnet die Burton Agnes-Trommel als eines der bedeutendsten prähistorischen Kunstwerke Großbritanniens des letzten Jahrhunderts.
Historischer Kontext und Verbindungen zur Vergangenheit
Die Burton Agnes-Trommel stellt eines der neuesten und best-dokumentierten Exemplare einer kleinen Gruppe von geschnitzten Kreidzylindern dar, die seit dem 19. Jahrhundert in den Britischen Inseln bekannt sind. 1889 wurde in der Nähe von Folkton im nordöstlichen North Yorkshire ein Kindergrab freigelegt, in dem drei geschnitzte Kreidetrommeln gefunden wurden, deren geometrische Verzierungen seit langem Gegenstand wissenschaftlicher Diskussionen sind.6 Die Ähnlichkeiten zwischen den Burton Agnes- und den Folkton-Beispielen führen Forscher dazu, diese Objekte innerhalb eines regionalen künstlerischen Traditionsgewebes zu betrachten. Das British Museum weist darauf hin, dass die Spiralen und Geflecht-Motive auf der Burton Agnes-Trommel mit den dekorativen Stilen der Britischen Inseln und Irlands im Stonehenge-Zeitalter verbunden sind. Diese Artefakte gewinnen zunehmend an Bedeutung als Referenzpunkte für Studien zur symbolischen Bedeutung von Kindergräbern und rituellen Praktiken im späten Neolithikum in Großbritannien.27
Archäologische Notizen
Die Burton Agnes-Trommel gilt als Schlüsselbefund für die Erforschung der Vorstellung von Kindheit und Tod in der späten Neolithikum-Bevölkerung Großbritanniens, sowohl aufgrund ihrer sorgfältigen Ausführung als auch aufgrund ihres gemeinsamen Bestattungskontexts mit drei Kindern. Die enge räumliche Anordnung der Kinder und die Platzierung eines detailliert geschnitzten Objekts an ihrem Kopfende werfen neue Fragen zu familiären Beziehungen, sozialen Bindungen und dem Umgang mit Verlust auf. Die gemeinsame Betrachtung der Folkton- und Burton Agnes-Trommeln deutet auf die Existenz einer gemeinsamen symbolischen Welt innerhalb eines bestimmten geografischen Raums und eines begrenzten Zeitraums hin. Biokhemische Analysen des Grabkontexts und weitere Forschungen in der Region könnten künftig die Interpretation der sozialen Funktion dieser Artefakte präzisieren.26
Quellen und weiterführende Lektüre
- [1] In 2015, archaeologists opened an East Yorkshire burial mound and .... timesofindia.indiatimes.com. Zum Originaltext
- [2] Burton Agnes drum - Wikipedia. en.wikipedia.org. Zum Originaltext
- [3] Ancient sculpture is ‘most important prehistoric art find in UK for century’ | Archaeology | The Guardian. theguardian.com. Zum Originaltext
- [4] UK: Prehistoric Drum Discovered in Children's Grave From Stonehenge-Era - Business Insider. businessinsider.com. Zum Originaltext
- [5] Ancient chalk sculpture is 'most important prehistoric art'. bbc.com. Zum Originaltext
- [6] Five mysterious ancient artefacts that still puzzle archaeologists. theconversation.com. Zum Originaltext
- [7] The ‘most important piece of prehistoric art’ found in Britain in a century will go on view at the British Museum - The Art Newspaper - International art news and events. theartnewspaper.com. Zum Originaltext