Archäologische Tiefenanalyse
Eine von Kyungcheol Choy von der Hanyang-Universität ERICA geleitete Studie untersuchte Vogelknochen, die bei Ausgrabungen am archäologischen Fundort Gungok-ri im Südwesten Südkoreas geborgen wurden. Aufgrund der geringen und zerbrochenen Knochenstücke war eine morphologische Unterscheidung zwischen domestizierten Hühnern und Wildpfaue schwierig, weshalb die Forscher die biomolekulare Methode Zooarchaeology by Mass Spectrometry (ZooMS) anwandten [1][2]. Von insgesamt 14 Proben konnten fünf als Gallus gallus (domestiziertes Huhn) identifiziert werden. Dies stellt den ersten direkten biomolekularen Nachweis für die Existenz domestizierter Hühner auf der koreanischen Halbinsel dar [3].
Laut Radiokarbon-Datierungen stammen die Knochen aus dem Zeitraum zwischen 80 und 361 n. Chr., was der historischen Periode des Proto-Drei-Königreiche (v. Chr. 108 – n. Chr. 313) entspricht. Die Funde deuten darauf hin, dass Hühner in der Siedlung Gungok-ri etwa 300 Jahre lang gehalten wurden [1][3]. Bisherige Knochenfunde aus derselben Region waren lediglich auf Formanalysen basierend als vier mögliche Hühnerproben klassifiziert worden; die neue Methode erhöhte diese Zahl auf fünf und stärkte die Zuverlässigkeit der Ergebnisse.
Kritische Funde
- Von 14 Vogelknochen aus dem Fundort Gungok-ri wurden fünf mittels ZooMS-Methode als Gallus gallus (domestiziertes Huhn) identifiziert.
- Die Radiokarbon-Datierung weist auf ein Alter zwischen 80 und 361 n. Chr. hin, was der Periode des Proto-Drei-Königreiche entspricht.
- Die stabile Isotopenanalyse zeigt, dass die Hühner von Menschen gefüttert wurden und unabhängig von der Natur gezüchtet wurden.
- Diese Studie liefert den ersten biomolekularen Nachweis für die Existenz domestizierter Hühner auf der koreanischen Halbinsel.
Historischer Kontext
Die Domestikation von Hühnern in Asien ist seit langem Gegenstand wissenschaftlicher Diskussionen. Einige Studien behaupten, dass domestizierte Hühnerreste aus der Shang-Zeit im Norden Chinas (um 1300 v. Chr.) stammen [5], während neuere Forschungen eine Überprüfung dieser Datierungen fordern [6]. Auf der koreanischen Halbinsel fehlte bislang ein direkter archäologischer Beweis für die Existenz domestizierter Hühner, was zu einer Wissenslücke in Bezug auf die Ausbreitung von Hühnern in Ostasien führte [4]. Die Funde aus Gungok-ri schließen diese Lücke erstmals mit biomolekularen Daten [2][3].
Ähnliche Entdeckungen
- 7.000 Jahre alte Taubenknochengrube in Deutschland: Dieser Fund aus der Jungsteinzeit liefert direkten Beweis für Pelzjagd und spiegelt eine ähnliche archäozoologische Herangehensweise wie die Hühnerknochen aus Gungok-ri wider, die das Verständnis von Tiermanagement und menschlichen Materialeinbeziehungen fördert.
- 60.000 Jahre alte Straußeneier-Schalen in Afrika: Obwohl dieser Fund aus einem anderen Zeitraum und Kontext stammt, zeigt er eine methodologische Parallele zur Nutzung tierischer Überreste zur Rekonstruktion menschlichen Verhaltens, vergleichbar mit den Ergebnissen aus Gungok-ri.
Archäologenkommentar
Diese Studie liefert nicht nur Aufschluss darüber, wann domestizierte Hühner nach Korea gelangten, sondern zeigt auch, wie effektiv biomolekulare Methoden bei der Bestimmung von Tierarten auch an kleinen und zerbrochenen Knochen sein können. Insbesondere die Vorteile der ZooMS-Technik bei der Unterscheidung morphologisch ähnlicher Arten eröffnen für die koreanische Archäologie neue Forschungsperspektiven [2]. Allerdings klärt der Fund nicht vollständig, wie und von wo die Hühner nach Korea gelangten. Zukünftige Analysen an weiteren Fundstellen könnten die Ausbreitungswege präzisieren [1][2].
Quellen
- [1] News - 2,000-Year-Old Remains of Domestic Chickens Identified in South Korea - Archaeology Magazine
- [2] Hanyang University ERICA researchers trace chicken domestication ...
- [3] Scientific Analysis Confirms Early Chicken Husbandry in Ancient Korea | Archiqoo
- [4] Ancient chicken bones reveal human management in ... - Phys.org
- [5] [PDF] What do we know about domestication in eastern Asia?
- [6] Domestic chickens’ origin story may have begun about 3,500 years ago | Science News
Bild & Nachrichtenquelle: Archaeologymag / archaeologymag.com