Bei den Ausgrabungen in der 86.000 Jahre alten İnkaya-Höhle, die sich in der Nähe des Dorfes Bahadırlı im Distrikt Çan (Provinz Çanakkale) befindet, wurden Daten gewonnen, die bisherige Annahmen zur Menschheitsgeschichte infrage stellen. Untersuchungen mittels Thermaldrohnen-Scans lokalisierten im Inneren der Höhle ein gewaltiges Feuersteinvorkommen mit einer Länge von 130 Metern und einer Breite von 30 Metern [1]. Dieser Befund liefert eine direkte Erklärung dafür, warum Menschen des Paläolithikums diesen Ort als Siedlungsplatz wählten und wie dieser ihre tägliche Lebensweise prägte.
Rohstoffüberfluss und „verschwenderische“ Neandertaler
Der Grabungsleiter Prof. Dr. İsmail Özer weist darauf hin, dass die Bewohner von İnkaya ein Verhalten an den Tag legten, das sich deutlich von anderen Neandertaler-Gemeinschaften unterscheidet. Unter normalen Umständen wurden Rohstoffe über weite Distanzen herbeigeschafft, weshalb Steinwerkzeuge oft bis zum letzten Splitter sorgfältig genutzt wurden. In İnkaya war jedoch das Gegenteil der Fall. Da die Höhle selbst aus einer massiven Feuersteinschicht besteht, konnten die Bewohner bei der Werkzeugherstellung äußerst großzügig verfahren. Archäologen stellten fest, dass an mehreren Kilogramm schweren Steinen oft nur eine einzige Bearbeitung vorgenommen und der Rest ungenutzt liegen gelassen wurde. Dies deutet darauf hin, dass die Bewohner angesichts des Ressourcenreichtums ein regelrecht „verschwenderisches“ Leben führten.
Geothermale Quellen und Mikroklima
Die geologische Struktur der Höhle ist Teil eines Systems, das durch vulkanische Aktivitäten im Spätoligozän bis Frühmiozän geformt wurde [3]. Doch nicht nur die Steinreserven waren ausschlaggebend dafür, dass eiszeitliche Jäger und Sammler diese Region bevorzugten. Die Wärme der damaligen geothermalen Quellen in der Umgebung schuf ein einzigartiges Mikroklima, das den Menschen einen entscheidenden Überlebensvorteil gegenüber den harschen klimatischen Bedingungen bot. Im Zuge der bisherigen Untersuchungen wurden über 35.000 Fundstücke aus Feuerstein und Basalt geborgen, darunter Abschläge, Schaber und Spitzen [5]. Diese Daten belegen, dass İnkaya nicht nur ein Unterschlupf, sondern eines der bedeutendsten Zentren für die Werkzeugproduktion in der Region war. Weitere Quellen und vertiefende Informationen zu diesem Kontext finden sich unter [2].
Quellen und weiterführende Literatur
- [1] » İnkaya mağarası kazısı: 'Bizim neanderteller biraz ...
- [2] Bahadırlı Köyündeki 86 Bin Yıllık İnkaya Mağarasında Kazı ...
- [3] (PDF) Çanakkale / Çan / İnkaya Mağarası Kazısı
- [5] 86 bin yıllık mağarada 35 bin bulguya ulaşıldı #Çanakkale' ...
Bild- & Nachrichtenquelle: 10haber / 10haber.net