Seltener mittelalterlicher Schiffsfund im Bodensee entdeckt

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Im Bodensee an der Grenze von Deutschland, Österreich und der Schweiz haben Unterwasserarchäologen ein seltenes Wrack aus dem späten 15. Jahrhundert dokumentiert.

Seltener mittelalterlicher Schiffsfund im Bodensee entdeckt
Bildnachweis: Euronews

Im süddeutschen Teil des Bodensees ist vor der Uferzone bei Lindau ein Schiffswrack aus dem Spätmittelalter entdeckt worden, das auf ein Alter von rund 600 Jahren datiert wird. Die von Fachleuten der Bayerischen Gesellschaft für Unterwasserarchäologie untersuchten Holzreste gelten als bedeutende Quelle für die Geschichte der Schifffahrt auf dem See und für die Entwicklung der Schiffbautechnik in der Region.

Ein Fund durch den außergewöhnlichen Niedrigwasserstand

Die Überreste waren im vergangenen Jahr sichtbar geworden, als der Pegel des Sees auf ein historisches Tief fiel. Zunächst hielt man sie für gewöhnliche Holzfragmente, doch detaillierte Untersuchungen ergaben, dass es sich um Spanten des Kiels und Planken des Schiffsrumpfs handelt [1]. Radiokohlenstoffanalysen, die in Zusammenarbeit mit dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege durchgeführt wurden, zeigen, dass das Schiff zwischen 1420 und 1450 nach Christus gebaut wurde. Das mittelalterliche Boot war vermutlich etwa 8 bis 12 Meter lang und rund 3 Meter breit und hat sich in den kühlen Gewässern des Sees über Jahrhunderte erstaunlich gut erhalten.

Die rätselhaften Wracks des Bodensees

Es handelt sich nicht um das erste Unterwasserprojekt im Bodensee. Im Rahmen umfassender Inventarisierungsprogramme, die in den letzten Jahren gestartet wurden, konnten am Seegrund bereits 31 zuvor unbekannte Wracks nachgewiesen werden [2]. Diese systematischen Untersuchungen mit dem Titel „Wracks und Tiefsee“ fördern in der Tiefe des Sees nicht nur Schiffe zutage, sondern auch weitere Relikte des historischen Handelslebens, etwa hölzerne Fässer, deren Oberflächen dicht mit Muscheln bewachsen sind [3].

Entscheidung für den Erhalt in situ

Anders als bei spektakulären Funden wie den römischen Frachtschiffen im Neuenburgersee in der Schweiz planen die Fachleute nicht, das mittelalterliche Wrack an die Oberfläche zu holen. Der Unterwasserarchäologe Prof. Dr. Tobias Pflederer betont, dass eine Bergung einen äußerst aufwendigen und kostspieligen Konservierungsprozess nach sich ziehen würde. Nach Einschätzung der Forschenden gilt es als sicherste Methode, die Holzreste im Wasser und unter der schützenden Sedimentschicht zu belassen, um sie langfristig zu bewahren. In den kommenden Jahren ist eine kleinräumige Ausgrabung vorgesehen, um die exakten Dimensionen des Schiffes und seine Konstruktionstechnik besser zu verstehen.

Quellen und weiterführende Literatur

Bild- & Nachrichtenquelle: Euronews / euronews.com