Spuren antiker Krankheiten auf tausendjährigen Bibelseiten entdeckt

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Wissenschaftler haben in den York-Evangelien antike DNA-Rückstände des Schafpockenvirus identifiziert, die neue Einblicke in die Geschichte der Tierhaltung bieten.

Spuren antiker Krankheiten auf tausendjährigen Bibelseiten entdeckt
Bildnachweis: Nypost

Die Wissenschaft hat eine ungewöhnliche Quelle zur Rückverfolgung antiker Krankheiten erschlossen: tausendjährige religiöse Texte. Eine neue Studie unter der Leitung des University College Dublin (UCD) hat auf den Seiten der York-Evangelien, einem der wertvollsten Schätze Englands, antike DNA-Reste des Schafpockenvirus (Sheeppox) nachgewiesen.

Das Pergament als biologische Zeitkapsel

Die York-Evangelien, die Ende des 10. Jahrhunderts von angelsächsischen Schreibern in Canterbury verfasst wurden, werden seit Jahrhunderten im York Minster aufbewahrt. Da das Manuskript auf Pergament aus Tierhaut geschrieben wurde, bezeichnen Forscher es als eine „biologische Zeitkapsel“. Analysen zeigen, dass die Krankheitserreger des Tieres, aus dessen Haut das Pergament hergestellt wurde, ihren genetischen Code über ein Jahrtausend hinweg auf diesen Seiten bewahren konnten [1].

Tausendjährige Stabilität der Krankheit

Louis L'Hote, der Leiter der Untersuchung, stellt fest, dass das Schafpockenvirus im Gegensatz zu den menschlichen Pocken in den letzten Jahrtausenden genetisch bemerkenswert stabil geblieben ist. Dies deutet darauf hin, dass die Fähigkeit des Virus, seine Wirte zu infizieren, durch genetische Veränderungen in weit zurückliegenden Epochen geformt wurde. Das Verständnis der Geschichte dieses Pathogens, das noch heute weltweit erhebliche wirtschaftliche Schäden in der Viehwirtschaft verursacht, ist für die moderne Medizin und Veterinärforschung von großer Bedeutung [2].

Verborgenes genetisches Erbe in Archiven

Dieser Befund belegt, dass Bibliotheken und Archive weltweit nicht nur schriftliche Zeugnisse der Menschheitsgeschichte, sondern auch genetische Spuren vergangener Tierseuchen beherbergen könnten. Solche multidisziplinären Studien an antiken Manuskripten eröffnen ein neues Fenster zum Verständnis früherer Umweltbedingungen und der Mensch-Tier-Interaktion [3]. Experten prognostizieren, dass Pergamente neben Zahn- und Knochenproben zu einer unverzichtbaren Quelle für die Forschung an antiker DNA avancieren werden.

Quellen und weiterführende Literatur

Bild- & Nachrichtenquelle: Nypost / nypost.com