Streptokokken-Bakterium in 700 Jahre alter Mumie aus Bolivien nachgewiesen

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Eine DNA-Analyse an einer 700 Jahre alten präkolumbischen Mumie aus Bolivien belegt erstmals Streptococcus pyogenes in Amerika vor der spanischen Eroberung. Die Studie erscheint in Nature Communications.

Streptokokken-Bakterium in 700 Jahre alter Mumie aus Bolivien nachgewiesen
Bildnachweis: Livescience

Archäologische Tiefenanalyse

Antike DNA-Analysen an einer etwa 700 Jahre alten Mumie aus Bolivien liefern den ältesten bestätigten Nachweis dafür, dass das Bakterium Streptococcus pyogenes, welches Streptokokken-Infektionen und Scharlach verursacht, bereits vor der spanischen Eroberung auf dem amerikanischen Kontinent existierte. Diese Entdeckung erhellt eine langjährige wissenschaftliche Debatte und liefert neue Daten zur Frage, ob bestimmte Krankheiten erst mit den Europäern in die Neue Welt gelangten [1]. Die Mumie wurde in den trockenen Regionen Boliviens östlich der Anden auf natürliche Weise konserviert. Dieses Gebiet zählt zu den Siedlungsarealen sesshafter Gemeinschaften während der präkolumbischen Epoche. Die Forschenden konzentrierten sich bei der aus dem Zahnschmelz der Mumie isolierten antiken DNA auf die Genome von Krankheitserregern. Diese Methode wird zunehmend eingesetzt, um die prähistorischen Ursprünge einiger heute verbreiteter Infektionskrankheiten zu untersuchen [2]. Streptococcus pyogenes ist ein heute weit verbreiteter humanpathogener Erreger, der insbesondere bei Kindern zu Rachenentzündungen führen kann. Scharlach hingegen ist eine Komplikation, die durch Toxine bestimmter Stämme dieses Bakteriums ausgelöst wird. Die Präsenz dieses Bakteriums in Amerika vor 1492 konnte in früheren archäologischen und paläopathologischen Studien nicht direkt nachgewiesen werden. Die aktuelle Studie liefert den ersten genomischen Beleg, der diese Forschungslücke schließt [1]. Die Forschenden betonen jedoch ausdrücklich, dass dieser Befund keine definitiven Rückschlüsse auf die Verbreitung oder Letalität der Krankheit zulässt. Ob der in der Mumie nachgewiesene Bakterienstamm tatsächlich eine Erkrankung verursachte oder in direktem Zusammenhang mit der Todesursache des Individuums stand, ist bislang ungeklärt. Zudem sind weitere antike Proben erforderlich, um die evolutionäre Verwandtschaft dieses Genoms mit modernen Stämmen vollständig zu erfassen [1]. Die Studie wurde von einem Team des Eurac Research in Italien in Zusammenarbeit mit internationalen Partnern durchgeführt. Die Ergebnisse wurden in einem Manuskript vorgestellt, das sich derzeit im Peer-Review-Verfahren befindet und zur Veröffentlichung in der Zeitschrift Nature Communications vorgesehen ist [1]. Aus diesem Grund können einige Details in der finalen Publikation noch geringfügige Anpassungen erfahren.

Kritische Befunde

  • In einer 700 Jahre alten Mumie aus Bolivien wurde antike DNA des Bakteriums Streptococcus pyogenes nachgewiesen.
  • Dies stellt den ältesten bestätigten Nachweis für die präkolumbische Präsenz des Erregers von Streptokokken-Infektionen und Scharlach auf dem amerikanischen Kontinent dar.
  • Die Analyse basierte auf antiken DNA-Proben, die aus dem Zahnschmelz der Mumie gewonnen wurden.
  • Die Ergebnisse sind Teil einer Studie, die zur Veröffentlichung in der Fachzeitschrift Nature Communications vorbereitet wird [1].
  • Ob das Individuum an der Krankheit verstarb oder Symptome zeigte, wurde bislang nicht bestätigt.

Historischer Kontext

Streptococcus pyogenes ist in der modernen Medizin ein gut charakterisierter Pathogen, dessen prähistorische Verbreitung jedoch lange Zeit unklar blieb. Insbesondere auf dem amerikanischen Kontinent führten die mit den Europäern eingeschleppten „neuen“ Krankheiten zu einem massiven Bevölkerungsrückgang der indigenen Gemeinschaften. In diesem Zusammenhang ist die Klärung der Frage, ob bestimmte Krankheiten bereits in der Neuen Welt existierten, von zentraler Bedeutung für die medizinische und demografische Geschichtsforschung [2]. Paläopathologische Untersuchungen an weiteren Mumien aus Bolivien in vergangenen Jahren hatten bereits indirekte Hinweise wie Knochenläsionen auf Atemwegsinfektionen ergeben. In der vorliegenden Studie gelang jedoch erstmals der direkte Nachweis durch die Isolierung des Pathogen-Genoms. Dies unterstreicht die neuen Dimensionen, die die antike DNA-Technologie für die Beantwortung archäologischer Fragestellungen eröffnet [1].

Vergleichbare Entdeckungen

  • Coccidioides-Infektion in einer bolivianischen Mumie aus dem 13. Jahrhundert: Bei einer weiteren Mumie aus derselben Region wurden Knochenanalysen durchgeführt, nachdem der Verdacht auf eine pilzbedingte Lungeninfektion (Coccidioidomykose) aufgekommen war. Dies liefert einen weiteren Beleg für das Vorkommen von Atemwegserkrankungen in den präkolumbischen Gemeinschaften der Andenregion [3].

Archäologische Einordnung

Diese Studie dokumentiert nicht nur die prähistorische Präsenz eines Pathogens, sondern liefert auch kritische Daten, die eurozentrische Narrative der Medizingeschichte hinterfragen. Das Verständnis der evolutionären Ursprünge heute verbreiteter Bakterien wie Streptococcus pyogenes ermöglicht eine Neubewertung der Geschichte von Epidemien sowie der Interaktion zwischen Mensch und Mikroorganismen. Da es sich jedoch um einen Einzelfund handelt, lassen sich keine Verallgemeinerungen über die damalige Verbreitung oder Virulenz des Bakteriums ableiten [1].

Quellen