Tschechien: 16 rund 7.000 Jahre alte neolithische Langhäuser bei Autobahnbau entdeckt

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Bei Ausgrabungen an der Autobahn D55 in Mähren wurden Überreste einer neolithischen Siedlung mit bis zu 36 Meter langen Häusern der ersten Bauern Europas entdeckt.

Tschechien: 16 rund 7.000 Jahre alte neolithische Langhäuser bei Autobahnbau entdeckt
Bildnachweis: Arkeonews

Bauarbeiten an der Autobahn D55 in der Region Mittelmähren haben faszinierende Einblicke in die Welt der frühesten Ackerbaukulturen Europas ermöglicht. Bei archäologischen Rettungsgrabungen auf der Trasse zwischen Kokory und Přerov wurden die Grundrisse von 16 sogenannten Langhäusern freigelegt, die auf ein Alter von etwa 7.000 Jahren datiert werden. Diese Funde liefern unschätzbare Erkenntnisse über das soziale und wirtschaftliche Leben der ersten sesshaften Gemeinschaften in der Region [1].

Spuren monumentaler Holzkonstruktionen

Obwohl die hölzernen Aufbauten dieser vor Jahrtausenden errichteten Gebäude längst vergangen sind, konnten Archäologen die Siedlungsstrukturen anhand der im Boden verbliebenen Verfärbungen und Pfostengruben präzise rekonstruieren. Die monumentalen Bauten, von denen einige eine Länge von bis zu 36 Metern erreichten, werden der Linearbandkeramischen Kultur (LBK) zugeordnet – jener Pioniergruppe, die die Ausbreitung der Landwirtschaft in Mitteleuropa maßgeblich vorantrieb. Diese Langhäuser dienten nicht nur als Wohnraum, sondern fungierten als Zentren für Großfamilien, in denen gemeinschaftlich gelebt und produziert wurde.

Die Untersuchungen belegen zudem, dass die Siedlung weit mehr als nur Wohngebäude umfasste. Im Umfeld der Häuser stießen die Experten auf zahlreiche Relikte des täglichen Lebens, darunter Vorratsgruben zur Lagerung von Lebensmitteln und Reste von Öfen. Ähnliche Funde in ganz Tschechien verdeutlichen, wie dicht das Siedlungsnetz bereits im Neolithikum geknüpft war [2]. Insbesondere Entdeckungen in der Nähe von Prag zeigen, dass diese frühen Bauern ihre Standorte gezielt in der Nähe von Wasserquellen und auf fruchtbaren Böden wählten [3].

Gräberfelder und kulturelle Kontinuität

Die vom Archäologischen Zentrum Olomouc geleiteten Ausgrabungen dokumentierten neben den Wohnbauten auch 65 Brand- und Körperbestattungen. Diese Gräber deuten darauf hin, dass der Ort über Jahrtausende hinweg von verschiedenen Kulturen genutzt wurde. So wurde im Bereich Dluhonice ein Grab der Schnurkeramischen Kultur freigelegt, das wertvolle Beigaben wie Kupferschmuck und Steingeräte enthielt.

Die geborgenen Artefakte werden derzeit im Regionalmuseum in Olomouc konserviert und wissenschaftlich analysiert. Die Forscher untersuchen nun detailliert, ob die 16 Häuser zeitgleich bestanden oder über Generationen hinweg nacheinander errichtet wurden. Diese Entdeckung schreibt die Geschichte der Transformation der mitteleuropäischen Wildnis in eine von Landwirtschaft und dauerhaften Dörfern geprägte Kulturlandschaft neu.

Quellen und weiterführende Literatur

Bild- & Nachrichtenquelle: Arkeonews / arkeonews.net