Um 2.000 Jahre alte verkohlte Papyri zu lesen: Forscher verbrennen eigene Schriftrollen

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Wissenschaftler nutzen künstlich verkohlte Papyri und Röntgentechnik, um die unlesbaren antiken Schriftrollen aus Herculaneum digital zu entschlüsseln.

Um 2.000 Jahre alte verkohlte Papyri zu lesen: Forscher verbrennen eigene Schriftrollen
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Als der Vesuv im Jahr 79 n. Chr. ausbrach, wurde nicht nur Pompeji, sondern auch die benachbarte Stadt Herculaneum unter einer gewaltigen Aschewolke begraben. Diese Katastrophe konservierte einen der bedeutendsten Schätze der antiken Welt: eine riesige Bibliothek aus tausenden Papyrusrollen, die durch die Hitze zu verkohlten, holzähnlichen Fragmenten wurden. Wissenschaftler der UC Berkeley haben nun einen ungewöhnlichen Weg eingeschlagen, um diese empfindlichen Überreste zu lesen, ohne sie zu zerstören: Sie fertigten eigene Papyri an und verbrannten diese in einem Ofen.

Künstliche Karbonisierung und das Röntgen-Wunder

Der Forscher Douglas Seiler und sein Team erstellten Repliken antiker Schriftrollen, indem sie modernen Papyrus aus Ägypten mit traditionellen Tinten beschrifteten und diese in Hochtemperaturöfen karbonisierten [1]. Das Hauptziel dieses Experiments war es, zu messen, wie Metallspuren in der Tinte auf Röntgenscans reagieren. Laut den in der Fachzeitschrift PLOS ONE veröffentlichten Ergebnissen absorbieren selbst geringste Mengen an Blei in der Tinte die Röntgenstrahlen bis zu 25-mal stärker als das Papier, wodurch die Buchstaben „wie ein Weihnachtsbaum“ aufleuchten [2].

Digital entfaltete Geschichte

Das größte Problem antiker Schriftrollen besteht darin, dass sie beim Versuch, sie physisch zu öffnen, zu schwarzem Staub zerfallen. Das Team aus Berkeley modifizierte einen speziellen Algorithmus, der ursprünglich für die Untersuchung der internen Struktur von Lithium-Ionen-Batterien entwickelt wurde, um die verkohlten Schichten digital einzeln „abzuschälen“ [3]. Dank dieser Methode können die Texte im Inneren der Rollen ohne physischen Eingriff auf dem Computerbildschirm lesbar gemacht werden.

Ein Großteil der rund 1.800 in der Bibliothek von Herculaneum gefundenen Rollen birgt noch immer Geheimnisse. In den wenigen Exemplaren, die bisher physisch geöffnet werden konnten, wurden zuvor völlig unbekannte Werke des epikureischen Philosophen Philodemos entdeckt. Die neue Technologie könnte das größte Hindernis beseitigen, um tausende Seiten verlorener Literatur der römischen Geisteswelt aus den Bibliotheksregalen in die digitale Welt zu überführen.

Quellen und weiterführende Literatur

Bild- & Nachrichtenquelle: News / news.berkeley.edu