Von Pixeln zu Orten: Wie Videospiele unsere Erkundung von Kulturerbestätten beeinflussen?

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Neue Studie: Wie Videospiele das Reiseverhalten zu Natur- und Kulturerbestätten beeinflussen. Virtuelle Welten lenken Spieler physisch zu historischen Orten.

Von Pixeln zu Orten: Wie Videospiele unsere Erkundung von Kulturerbestätten beeinflussen?
Bildnachweis: Extraloob

Archäologische Tiefenanalyse

Die Studie mit dem Titel „From pixels to places: how video games influence real-world travel to natural and cultural heritage sites“ legt nahe, dass Videospiele nicht nur Unterhaltungsmedien sind, sondern auch als Katalysatoren für touristisches Interesse an Kulturerbestätten wirken können. Diese Forschung untersucht, wie Videospiele das reale Reiseverhalten zu Natur- und Kulturerbestätten beeinflussen. Spiele vermitteln Nutzern nicht nur eine Geschichte, sondern können auch durch architektonische Details, natürliche Landschaften, antike Wege und kulturelle Symbole ein „räumliches Gedächtnis“ formen. Dieses Gedächtnis kann die Neugier der Spieler auf ähnliche Geografien, Ruinen oder Schutzgebiete in der realen Welt wecken. Insbesondere Spiele, die historische Orte visuell rekonstruieren, können die Tendenz der Spieler erhöhen, diese Stätten tatsächlich zu besuchen. Die Studie betont, dass solche digitalen Erfahrungen nicht nur der Wissensvermittlung dienen, sondern auch als Werkzeug zum Aufbau emotionaler Bindungen fungieren können. Spieler können durch Erlebnisse wie das Erklimmen der Stufen eines Tempels oder das Spazieren am Ufer eines antiken Hafens in der virtuellen Welt ein Gefühl der Verbundenheit mit diesem Ort entwickeln. Diese emotionale Bindung kann sich später im realen Leben in Verhaltensweisen zum Schutz des Ortes niederschlagen, etwa durch die Wahl nachhaltiger Tourismusformen oder die Zusammenarbeit mit lokalen Führern. In diesem Kontext können Videospiele heute weit über Produkte der Populärkultur hinausgehen und zu einer effektiven Schnittstelle werden, über die das kulturelle Erbe der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird.

Kritische Erkenntnisse

  • Videospiele können das reale Reiseverhalten zu Natur- und Kulturerbestätten beeinflussen.
  • Virtuelle Erfahrungen können bei Spielern emotionale Bindungen und Neugier gegenüber Kulturerbestätten wecken.
  • Historisch akkurat gestaltete Spiele können nachhaltiges Tourismusverhalten fördern.

Historischer Kontext und Verbindungen zur Vergangenheit

Die Tradition der Rekonstruktion historischer Orte in Videospielen entwickelt sich bereits seit den 1990er-Jahren. Insbesondere nach den 2010er-Jahren begannen einige Spieleentwickler im Zuge des „Edutainment“-Ansatzes (unterhaltsame Bildung), mit akademischen Beratern zusammenzuarbeiten. Beispielsweise hat das Spiel „Assassin’s Creed: Origins“ das antike Ägypten detailliert dargestellt und könnte dazu beigetragen haben, das Interesse der Spieler an realen archäologischen Stätten wie dem Gize Platosu oder dem Karnak Tapınağı zu steigern. Ähnlich hat das japanische Spiel „Ghost of Tsushima“ den Touristenstrom zur Tsushima Adası erhöht und den Begriff des „Game-Tourismus“ als digitale Entsprechung des „Film-Tourismus“ in den Fokus gerückt. Dieser Trend könnte auch Chancen für einige Ausgrabungsstätten in Türkiye schaffen. Wenn weltweit bekannte Stätten wie Göbeklitepe (Şanlıurfa) in Videospielen vorkommen, könnte dies insbesondere das Interesse jüngerer Generationen an diesen Orten steigern. Gleiches gilt für antike Städte entlang des Likya yolu (etwa Patara, Antalya) oder die lydische Hauptstadt Sardis (Manisa). Diese Stätten überzeugen bereits durch ihre natürliche Schönheit und historische Tiefe. Eine Präsenz in Videospielen würde das globale Bewusstsein weiter stärken.

Expertenmeinung

Diese Studie besitzt das Potenzial, die Interaktionsweise der digitalen Kultur mit dem archäologischen Erbe neu zu definieren. Videospiele sind heute nicht mehr nur Unterhaltung, sondern können als Indikator dafür dienen, wie kollektive Erinnerung und kulturelles Erbe im digitalen Zeitalter reproduziert werden. Für jüngere Generationen können virtuelle Erfahrungen den ersten Kontakt mit historischen Orten darstellen. Daher könnten Kooperationen zwischen Spieleentwicklern und Archäologen sowohl zur Wahrung historischer Genauigkeit als auch zum Schutz von Kulturerbestätten beitragen. Ein entscheidender Aspekt ist jedoch das Risiko, dass die in Spielen vermittelten historischen Narrative irreführend sein können. Aus diesem Grund könnte die Integration akademischer Beratung und offener Forschungsdaten in die Spielewelt von strategischer Bedeutung sein. In Zukunft sollte das reiche archäologische Erbe von Türkiye auf diesen digitalen Plattformen aktiver repräsentiert werden. Auf diese Weise könnte sowohl die globale Sichtbarkeit gesteigert als auch lokalen Gemeinschaften ein gerechterer Nutzen aus dem Tourismus ermöglicht werden.


📚 Quellenartikel:

From pixels to places: how video games influence real-world travel to natural and cultural heritage sites

Autor:innen: Bingqin Han, Diyi Liu, Suntong Qi, Lisong Wang

Zeitschrift: Humanities and Social Sciences Communications

DOI: 10.1057/s41599-026-07299-5