Ziegenzahn aus Kreta könnte Debatte über antike griechische Landwirtschaft klären

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Ein in der antiken Stadt Azoria auf Kreta gefundener Ziegenzahn liefert neue Einblicke in Viehhaltung und Agrarökonomie des antiken Griechenlands.

Ziegenzahn aus Kreta könnte Debatte über antike griechische Landwirtschaft klären
Bildnachweis: Wikipedia

Ein bei Ausgrabungen in der antiken Stadt Azoria auf der Insel Kreta entdeckter Ziegenzahn wirft neues Licht auf rund hundert Jahre währende akademische Debatten über Modelle der Viehhaltung und Landwirtschaft im antiken Griechenland. Forschende können dank dieses kleinen Fundes die Ernährungsweise und Mobilität von Tieren der Antike unmittelbar analysieren und so erstmals die damalige Wirtschaftsstruktur und gesellschaftliche Organisation auf einer gesicherten, datenbasierten Grundlage rekonstruieren.

Azoria als Schnittstelle von Wissenschaft und Geschichte

Im antiken Griechenland bildeten Ackerbau und Viehzucht die Grundlage von Wohlstand und sozialem Leben. Die in Homers Odyssee geschilderten großen Gelage und Opferfeste verweisen zwar auf die Bedeutung der Tierhaltung für den Zusammenhalt der Gemeinschaft, doch die konkreten Haltungsformen waren lange Zeit umstritten [1]. Ein interdisziplinäres Forschungsteam unter Leitung des Archäologen Flint Dibble untersuchte das umfangreiche Tierknochenensemble aus Azoria, um die bisherigen Modelle zu überprüfen [2]. Mithilfe moderner naturwissenschaftlicher Methoden ließen sich die Ernährungsgewohnheiten und Bewegungsmuster der Tiere der Antike direkt erfassen [3].

Lokale Produktion und soziale Ordnung

Die Auswertungen zeigen, dass die Tiere nicht aus weit entfernten Regionen herangeschafft wurden, sondern vor Ort und nach einem klar strukturierten System aufgezogen wurden. Dies belegt, dass die lokale Agrarökonomie und eine organisierte Viehhaltung beim Aufstieg der griechischen Stadtstaaten eine weit größere Rolle gespielt haben dürften, als bisher angenommen. Die Forschenden betonen, dass die aus dem Ziegenzahn gewonnenen Isotopendaten auch einen entscheidenden Wendepunkt für das Verständnis der nachhaltigen Wechselbeziehungen zwischen antiken Gemeinschaften und ihrer Umwelt markieren.

Quellen und weiterführende Literatur

Bild- & Nachrichtenquelle: Phys.org - Archaeology & Fossils / phys.org